Diesen Weg auf den Höhen

Gute 2900 Läu­fer dräng­ten sich auf dem Apelsber­ger Sport­platz in Neu­haus. Die meis­ten wieg­ten ihren Ober­kör­per freu­dig erregt im Schnee­wal­zer­rhyth­mus. Bei eini­gen war jedoch unter­schwel­lig ein wenig Ver­är­ge­rung zu ver­neh­men. Es lag kei­nes­wegs an der Gering­schät­zung der Koschat-Schnul­ze. Die Abfol­ge der Musik­aus­wahl wur­de moniert. Schließ­lich befan­den wir uns im Thü­rin­ger Kernland.

Zwar hall­te das Renn­stei­glied bereits, von guten 2899 Keh­len laut­hals und fast feh­ler­frei into­niert, durch den Thü­rin­ger Wald, doch die Orga­ni­sa­to­ren hat­ten vor dem Start zum 41. Guts­Muths-Renn­steig­lauf den Schnee­wal­zer anstim­men las­sen. Der pro­to­kol­la­ri­sche Lap­sus wur­de mit Tra­di­ti­ons­pfle­ge begründet.

Mir war der Sän­ger­streit eigent­lich egal. Das kom­mer­zi­el­le Volks­mu­sik­ge­du­del hat­te ich aus mei­ner Lebens­welt ver­bannt. Null-Toleranz!

Ich mach­te solan­ge ein paar Bild­chen von den Lauf­ver­rück­ten aus aller Welt und der Umge­bung. Dann war die Schnee­wal­ze Geschich­te, die Lauf­meu­te zähl­te gel­lend von zehn rück­wärts und Frau Tau­bert schoss in die Luft.

Bedäch­tig setz­te sich der Tross in Bewe­gung. Der Start­be­reich erlaub­te nur einen dosier­ten Durch­lauf. Außer den übli­chen Sekun­den­fuch­sern nah­men das die Meis­ten jedoch gelas­sen hin.

Mir war es recht. Ich fühl­te mich nicht in der Ver­fas­sung, die 43,5 Kilo­me­ter mit einem Spurt zu begin­nen. Also ließ ich mich von der Mas­se Rich­tung Start schie­ben. Oben­drein war ich nervös.

Unwill­kür­lich dach­te ich an Stür­ze und Knie­schmer­zen und Schnee­fall und Grau­pel­schau­er und, dar­an dass ich mei­ne Ein­le­ge­soh­len ver­ges­sen hat­te. Ich lief qua­si auf den blan­ken Mittelsohlen.

Nur mit Mühe konn­te ich die Bil­der von auf­ge­platz­ten Blut­bla­sen und ent­zün­de­ten Hüh­ner­au­gen aus mei­nem Kopf ver­scheu­chen. Mit Mühe und einer Marot­te aus Kind­heits­ta­gen. Als ich die rote Zeit­mes­ser­mat­te über­schritt, begann ich laut zu sin­gen: „Die­sen Weg auf den Höhen bin ich oft gegangen …“

Mei­ne nächs­ten Mit­läu­fer sahen mich kurz an, grins­ten als wäre ich der Offen­ba­rer und hak­ten sich bei mir unter. So schun­kel­ten wir uns zu dritt, das Renn­stei­glied träl­lernd, die Ernst-Thäl­mann-Stra­ße hin­auf. Und die Men­schen um uns her­um, Läu­fer wie Zaun­gäs­te, waren uns zugetan.

Trotz mei­ner Volks­mu­sik­in­to­le­ranz sind mir Text und Melo­die des Renn­stei­glieds bekannt. Ich bin in Thü­rin­gen gebo­ren. Das Lied habe ich öfter gehört als bei­de deut­sche Natio­nal­hym­nen zusam­men. Das muss man hier auch nicht extra ler­nen, das ver­in­ner­licht sich ganz neben­her. Ob man will oder nicht. Irgend­wann erwischt man sich dabei, es zu singen.

Wäh­rend ich in die Renn­steig­stra­ße bog, mei­ne Beglei­ter hat­ten sich der­weil von mir gelöst, summ­te ich es immer noch vor mich hin. Und es mach­te mir nicht mal etwas aus.

Von Neu­haus ging es dann eini­ge Kilo­me­ter auf der B 281 Rich­tung Stein­heid. Die Stra­ße bog sich durch schein­bar undurch­dring­li­che Fich­ten­be­stän­de. Ein­tra­ben war ange­sagt. Mei­ne Abnei­gung gegen Men­schen­mas­sen war kur­zer­hand ver­flo­gen. Ich fühl­te mich wohl zwi­schen all den Leu­ten, die das schöns­te Ziel der Welt anpeilten.

Der Läu­fer­pulk hat­te sich inzwi­schen unüber­schau­bar aus­ein­an­der gezo­gen. Die Ambi­tio­nier­ten waren fort. Unein­hol­bar. Aber das traf auf küh­le Schul­tern bei mei­nen Weg­ge­fähr­ten und mir. Ein­ver­nehm­lich hat­ten wir uns unse­rem Lauf­tem­po ent­spre­chend in den Tross ein­ge­reiht. Kaum jemand wur­de noch über­holt, und wenn, ging alles ohne Geschie­be und Geran­gel von­stat­ten. Es wur­de höf­lich gebe­ten und gewährt.

Auch sonst war es stil­ler gewor­den. Die Schrit­te der Läu­fer klan­gen, als wür­de ein hef­ti­ger Land­re­gen auf den Asphalt tref­fen. Ich gab mich dem mono­to­nen Rhyth­mus hin und blick­te andäch­tig in die Wip­fel der Fich­ten. Mei­ne Gedan­ken folg­ten ohne Wiederkehr.

Bevor mei­ne Wahr­neh­mung end­gül­tig auf Auto­pi­lot schal­te­te, hol­te mich eine schril­le Stim­me auf den Asphalt zurück. Eine red­se­li­ge Frau in den soge­nann­ten bes­ten Jah­ren erläu­ter­te ihrer Beglei­te­rin und allen Anwe­sen­den im mitt­le­ren Umfeld ihre Lauf­kar­rie­re. Hochtönig.

Ich woll­te weg­hö­ren. Doch so sehr ich mich auch wie­der auf Schrit­te und Fich­ten zu kon­zen­trie­ren ver­such­te, irgend­ein Sen­sor schal­te­te zurück.

Es sei ihr drit­ter Mara­thon, wuss­te sie zu berich­ten. Und sie füh­le sich bes­ser denn je. Das Lauf­se­mi­nar in den bay­ri­schen Alpen sei jeden Cent wert gewe­sen. Ansons­ten lau­fe sie aber lie­ber Halb­ma­ra­thon. Und dann folg­ten eine Rei­he Orte, wo sie bereits antrat bzw. die sie noch in Angriff neh­men wollte.

 

Dann hat­ten sich die Sports­frau nebst Freun­din aus mei­nem Wahr­neh­mungs­be­reich ver­ab­schie­det. Ich fühl­te mich, wie aus einem Mit­tags­schlaf geris­sen. Ich zähl­te mei­ne Schrit­te, sah in die Fich­ten, doch die Locker­heit kehr­te nicht zurück.

Fünf­zig Meter wei­ter war die ers­te Geträn­kestel­le. Sand­wie­schen. Wasser!

Von dort bogen wir von der Stra­ße auf einen Wald­weg. Zwei Musi­kan­ten hat­ten sich an der Bie­gung mit Akkor­de­on und Tuba pos­tiert und spiel­ten wie auf Bestel­lung das Hohe­lied des Höhen­wegs. Mei­ne Lip­pen summ­ten wie von selbst: „Die­sen Weg auf den Höhen …“

Das war’s end­gül­tig mit Ruhe. In mei­nem Kopf jodel­te das Her­bert-Roth-Ensem­ble. Was zunächst noch spa­ßig war, nerv­te zuneh­mend. Ich ver­such­te mit ande­ren Lie­dern, die ich vor mich hin brumm­te, die End­los­schlei­fe zu stop­pen. Doch die Renn­steig-Schnul­ze blieb prä­sent. Zudem muss­te ich wie­der an die red­se­li­ge Läu­fe­rin denken.

 

Von wegen „die Gedan­ken sind frei“. Bei mir reich­te offen­sicht­lich bereits eine volks­tüm­li­che Schnul­ze oder eine ner­vi­ge Stim­me und schon war ich nicht mehr Herr mei­ner Sinne.

Die­se Erkennt­nis gab mir kurz das Gefühl, dass mei­ne Gedan­ken nicht voll­kom­men fremd gehen wür­den. Ich hat­te die Sache schließ­lich durch­schaut. Aber das war auch die Crux! Ich erkann­te die Mani­pu­la­ti­on mei­ner Gedan­ken schließ­lich mit mei­nen mani­pu­lier­ten Gedanken.

Die ver­drieß­li­chen Ein­ge­bun­gen als fremd­be­stimmt zu ver­ste­hen, war nicht wei­ter schwie­rig. Bei mei­nen indi­vi­du­el­len Ein­stel­lun­gen und mei­nen per­sön­li­chen Vor­lie­ben woll­te mir die­ser Gedan­ke jedoch über­haupt nicht gefal­len. Wäh­rend sich der See­len­müll locker als Fol­ge äuße­rer Ein­flüs­se erklä­ren ließ, war ich bezüg­lich Krea­ti­vi­tät, Intel­li­genz und Geschmack schon der Auf­fas­sung, dass mein Mist der Boden­satz dafür war.

Und doch lief letzt­end­lich alles dar­auf hin­aus, dass ich gefal­len woll­te, dass ich ver­stan­den wer­den woll­te, dass ich mit­ma­chen durf­te. Ich ori­en­tier­te mich am Zeit­geist. Selbst mei­ne schein­bar obskurs­ten Gedan­ken waren nur Out­put infol­ge Inputs. Abklatsch, dein Name ist Sid.

 

Ich hat­te den Drei­strom­stein hin­ter mir gelas­sen. Die Wald­we­ge waren schma­ler und stei­ni­ger gewor­den. Dich­te, dunk­le­re Fich­ten­be­stän­de wur­den von klei­nen Lich­tun­gen abgelöst.

Nach einer kur­zen Stei­gung war ich plötz­lich allein. Ich woll­te die Gele­gen­heit nut­zen, mei­nen Flüs­sig­keits­haus­halt zu regu­lie­ren, als mir bewusst wur­de, dass ich genau an die­ser Stel­le auch beim vor­jäh­ri­gen Renn­steig­lauf in glei­cher Absicht pausierte.

Ich pos­tier­te mich also am Baum der Erleich­te­rung und brumm­te unwill­kür­lich vor mich hin: „An dies’m Platz auf den Höhen hab ich schon mal g‘standen, die andern rann­ten vorüb’r. Bin ich weit in der Welt …“

Unver­mit­telt applau­dier­te es vom Weg her­über. Ich bedank­te mich klein­laut und sang wei­ter. Höchst pein­lich! Aber was soll­te ich machen? Erde bzw. Wald woll­ten mich nicht ver­schlin­gen. Des­halb brei­te Brust!

 

Die Umdich­tung des Renn­stei­glieds strotz­te nicht gera­de vor Ori­gi­na­li­tät. Trotz­dem setz­te es sich in mei­nem Kopf fest. Zudem tauch­te in mei­nen Gedan­ken wie­der die schril­le Sports­frau auf, wie sie ihrer Lauf­freun­din erklär­te, dass das Renn­stei­glied schon lan­ge einer Erneue­rung bedür­fe und dass mei­ne Neu­in­ter­pre­ta­ti­on genau zur rech­ten Zeit käme.

Erst mal wei­ter ren­nen, dach­te ich. Das geht vor­über. Mei­ne Gedan­ken hat­ten schein­bar so etwas wie einen krea­ti­ven Schub. Wobei mir Ursa­che und Inten­ti­on die­ses Schöp­fungs­pro­zes­ses voll­kom­men schlei­er­haft waren. Zudem beun­ru­hig­te mich die ego­zen­tri­sche Beweih­räu­che­rung. Ich ver­such­te mir in der Rol­le einer schnip­pi­schen Tip­pel­zi­cke ein­zu­re­den, dass die spon­ta­ne Ver­ball­hor­nung des Renn­stei­glieds eine gesell­schaft­li­che Rele­vanz besäße.

Genau, klopf­te es von Innen an mei­ne Fron­tal­plat­te, und die bekann­te Tip­pel­zi­cke begann zu refe­rie­ren, dass Iro­nie und Sati­re immer wich­tig wären, wenn Per­so­nen, Gegen­stän­de, Tex­te, Lie­der usw. Kult­sta­tus erlan­gen wür­den, denn aus Kul­ten wür­den schnell Denk­scha­blo­nen mit all­um­fas­sen­dem Wahr­heits- und Glücks­an­spruch. Die Tip­pel­zi­cke nervte.

 

In einem Gedan­ken­ex­pe­ri­ment ließ ich das Renn­stei­glied zur offi­zi­el­len Natio­nal­hym­ne des Frei­staats Thü­rin­gen erklä­ren. Ich sah, wie sich die Mit­glie­der des Land­tags nach dem ent­spre­chen­den Beschluss spon­tan erho­ben und par­tei­über­grei­fend das Renn­stei­glied schmet­ter­ten mit erho­be­ner Faust oder Hand auf dem Her­zen je nach Fas­son. Dann mal­te ich mir aus, wie Thü­rin­ger Ath­le­ten bei inter­na­tio­na­len Sport­ver­an­stal­tun­gen das Trepp­chen bestie­gen und beim Ertö­nen des Renn­stei­glie­des mit beben­den Lip­pen ein, zwei Trä­nen wein­ten. Ich dach­te an kul­tu­rel­le Groß­ver­an­stal­tun­gen und Staats­be­su­che, Ver­an­stal­tun­gen halt, wo Natio­nal­hym­nen stets erge­ben into­niert wer­den. Und plötz­lich tauch­ten hun­der­te Men­schen mit bei­gen Wes­ten und Ruck­sä­cken vor mei­nem inne­ren Auge auf, die, ihre Wan­der­stö­cke schwin­gend, die deutsch­land­wei­te Senf­pflicht für die Thü­rin­ger Rost­brat­wurst forderten.

Stopp, dach­te ich. Da begann es hin­ter mir zu pol­tern. Ich schau­te mich um und sah einen rie­si­gen Thü­rin­ger Kloß auf mich zu walzen.

 

Ups!“ Die Tip­pel­zi­cke hat­te mich am Arm gegrif­fen und mit einem kur­zen Ruck wie­der ins Gleich­ge­wicht gebracht. Ein über­fäl­li­ger Sekun­den­fuch­ser war rüde an mir vor­bei gesprungen.

Der Hohl­weg zwi­schen Erste­berg und Schwal­ben­haupt­wie­se ist zwei­fel­los der male­rischs­te Abschnitt des Renn­steig­ma­ra­thons. Der aben­teu­er­lichs­te ist er aber auch. Zwi­schen den Wur­zeln der Fich­ten geht es etwa zwölf­hun­dert Meter eine abschüs­si­ge Aus­wa­schung hin­ab. Moos­be­wach­se­ne Äste. Schmie­ri­ge Stei­ne. Rinn­sa­le und schlam­mi­ge Pfüt­zen. Ca. 120 Meter Höhen­dif­fe­renz. Da ist Respekt gebo­ten, vor allem, wenn man bereits 22 km in den Kno­chen hat.

Ich war, den ima­gi­nä­ren Kloß im Nacken, in die Hoh­le geschwenkt, als mich ein „Vor­sicht, Ent­schul­di­gung!“ aus dem Tritt brach­te. Eine heik­le Angelegenheit.

Wer hier über­holt, geht Risi­ko. Ein Risi­ko, das sich zumin­dest bei unse­rem Lauf­ni­veau nur durch ein erheb­li­ches Defi­zit bei der Selbst­ein­schät­zung erklä­ren lässt.

Obwohl der Troll bereits genug gestraft schien, war ich nicht Wil­lens, ihm zu ver­zei­hen. Ich wünsch­te ihm das Renn­stei­glied an den Hals. End­los­schlei­fe, ver­steht sich.

 

Nach der Hoh­le, an der Tri­ni­us­bau­de gab es wie­der Fut­ter. Hier fand ich auch Gele­gen­heit, mich bei der Tip­pel­zi­cke zu bedan­ken. Mit Bana­nen­ecken und Tee bestückt, waren wir ein paar Schrit­te gegangen.

Sie hieß Ingrid, war knapp eins sech­zig und hat­te einen wei­zen­blon­den Bob mit veil­chen­blau­en Sträh­nen. Ihr Stirn­band war pink. Ein Hin­gu­cker. Aus grö­ße­rer Ent­fer­nung hät­te man sie ohne wei­te­res auf Fünf­und­zwan­zig schät­zen kön­nen, aus der Nähe betrach­tet war man dann doch etwas über­rascht. Ich sag mal: Drei­ßig plus.

Ingrid plap­per­te unun­ter­bro­chen. Nach­dem sie sich kurz über den Dräng­ler echauf­fiert hat­te, brach­te sie ihre Freu­de über die vie­len „coo­len Mara­to­nis und Mara­ti­nas“, die sie heu­te schon ken­nen gelernt hat­te, zum Aus­druck. In mei­nen Gedan­ken schall­te es „Shut up, Trulla!“

 

Ich woll­te nicht mehr Tip­pel­zi­cke den­ken. Ich woll­te nicht mehr Trul­la den­ken. Doch mein Hirn spiel­te sein eige­nes Stück: Blaue Sträh­nen, rosa Stirn­band, schril­le Stim­me, Lauf­camp in den bay­ri­schen Alpen.

Wer ohne Flau­sen ist, wer­fe den ers­ten Stein! Ich war ein groß­kot­zi­ger Wurm.

Denn Ingrid hat­te es drauf. Sie hat­te ihre Kri­se erwähnt und dass sie sich mit Lau­fen wie­der gefan­gen habe. Was sie arbei­te­te, weiß ich nicht mehr genau, irgend­was bei einer Kran­ken­kas­se. Das war es aber nicht, was sie müde gemacht hat­te. Weil sie kei­ne eige­nen Kin­der bekom­men konn­te, hat­ten sie und ihr Mann zwei Pfle­ge­kin­der in Obhut genom­men. Zudem half sie beim Orts­ver­ein mit, vor allem Chor und Lauf­grup­pe. Man­che packen halt an.

Eines Tages blieb sie dann ein­fach im Bett. Es kam schlei­chend. Erschöp­fungs­de­pres­si­on. Nicht der ganz gro­ße Burn­out, aber schon grenz­wer­tig. Fami­lie und Freun­de mach­ten ihr wie­der Bei­ne, wie sie es nann­te. Nach­dem sie sich wie­der hoch­ge­wursch­telt hat­te, schenk­ten sie ihr einen Kur­auf­ent­halt in den bay­ri­schen Alpen inklu­si­ve Lauf­se­mi­nar und Mara­thon­vor­be­rei­tung. Genau, das schnie­ke rosa Stirn­band war ein Glücks­brin­ger von ihrer Pflegetochter.

Wir waren ein paar Meter gemein­sam auf der Stra­ße Rich­tung Kah­lert gelau­fen. Schwei­gend. Es ging berg­auf, nicht steil, aber stet. Ich hat­te mich für den Gang über die Wie­se ent­schie­den. Sie blieb auf dem Asphalt. Irgend­wann war sie weg.

 

Ein paar Regen­trop­fen fie­len mir ins Gesicht. Es war die­sig. Der gro­ße Guss blieb bis­lang aus. Im Vor­feld gab es ver­schie­de­ne Unwet­ter­war­nun­gen. Von Schnee, Eis­re­gen und Sturm war die Rede. Das mach­te den Lauf eigent­lich noch reiz­vol­ler. Hel­den­phan­ta­sien. Nur gut, dass es nicht dazu kam. Es reich­te so schon. Der Wald­bo­den war zum Teil auf­ge­weicht. Mei­ne Bei­ne wur­den zuneh­mend schwe­rer. Vor allem bei Anstie­gen. Und die häuf­ten sich.

Mei­ne Füße hin­ge­gen nah­men ihre Bür­de erge­ben hin. So ohne Ein­le­ge­soh­len hat­te ich mit quä­len­den Übeln gerech­net. Doch davor hat­te ich Ruhe. Vor­erst zumindest.

Abrupt muss­te ich dar­an den­ken, dass mich das Renn­stei­glied schon eine gerau­me Zeit ver­schont gelas­sen hat­te. Ich stell­te mir vor, wie es den Dräng­ler der­weil nach Schmie­de­feld hetz­te, da jaul­te es auch schon wie­der in mei­nen Gehirn­win­dun­gen. Der Klassiker!

Unwill­kür­lich brumm­te ich es vor mich hin. Stra­te­gie­wech­sel! Weg­den­ken funk­tio­nier­te sowie­so nicht. Viel­leicht half Gelas­sen­heit. Und dann setz­te ich nach: Ich lach­te darüber.

 

Die media­le Dik­ta­tur ist weder unfehl­bar noch über­mäch­tig. Kei­ne Fra­ge, die Mas­sen­ge­hirn­wä­sche ist unge­mein viel­sei­tig. Zudem gibt es kaum Lebens­be­rei­che, wo sie außen vor bleibt. Selbst auf öffent­li­chen Toi­let­ten hän­gen Wer­be­pla­ka­te, lie­gen Fly­er und lau­fen Radio­pro­gram­me. Doch die Emp­fangs­ge­rä­te wer­den nach wie vor mit Abschalt­funk­ti­on pro­du­ziert und es wird noch Gebrauch davon gemacht. Noch!

Die Wis­sen­schaft ver­sucht indes auch ande­re Wege zu gehen. Hirn­for­schung statt Hirn­wä­sche. Doch trotz aller Erfol­ge, die Ortung des Bewusst­seins im Gehirn schei­ter­te bislang.

Der Eigen­wil­le des Men­schen bleibt ein nicht beherrsch­ba­res Risi­ko für die Poten­ta­ten. Vie­le Men­schen wer­den sich auch wei­ter­hin nicht unter­ord­nen, ein­schüch­tern und ver­blö­den las­sen. Weil das die Ord­nung stört bzw. stö­ren könn­te, will man sie näher beleuch­ten. Der Blick in die Kul­tur­ge­schich­te zeigt, dass Spit­zeln und Schnüf­feln lan­ge Tra­di­ti­on hat. Die High­tech-Rech­ner machen die all­um­fas­sen­de Über­wa­chung aber erst möglich.

 

Kah­lert. Ein Poli­zist hat­te mich über die Stra­ße gewinkt. Noch knapp drei Kilo­me­ter bis Neu­stadt, erst zum Tan­nen­grund hin­ab und dann wie­der auf­wärts zur Fest­wie­se, dem höchs­ten Punkt im Ort. Dort war Par­ty ange­sagt. Volks­mu­sik, hal­be Liter und Anfeuerung.

Zwei Drit­tel der Stre­cke waren geschafft. Gern hät­te ich die Bier­ein­la­dung eines Zaun­gasts wahr­ge­nom­men, zog dann aber Tee und Was­ser vor. Und Hafer­schleim, die Thü­rin­ger Ant­wort auf den Hammermann.

Wäh­rend ich am Schleim­stand her­um­al­ber­te, war mein Blick am Sani­täts­zelt hän­gen geblie­ben. Ein­ge­wi­ckelt in eine dicke graue Woll­de­cke saß davor ein Läu­fer. Allein. Gedan­ken­ver­sun­ken. Ich woll­te hin­über gehen und ihm trös­tend auf die Schul­ter klopfen.

Nach­dem ich einen Schritt in sei­ne Rich­tung gemacht hat­te, tra­fen sich unse­re Bli­cke. Unmerk­lich schüt­tel­te er sei­nen Kopf und for­der­te mich mit ein­deu­ti­ger Ges­te auf, weiterzulaufen.

Ich ver­stand. Er woll­te kei­nen Trost. Jetzt nicht.

Ein klei­ner, ca. fünf­jäh­ri­ger Jun­ge hat­te mich bis zum Orts­aus­gangs­schild von Neu­haus beglei­tet. Unun­ter­bro­chen hat­te er dabei auf einer Vuvuz­ela gebla­sen. Ich war froh, als er mir alles Gute wünsch­te und umkehrte.

Der zurück­ge­blie­be­ne Läu­fer ging mir nicht aus dem Sinn. Nach neun­und­zwan­zig Kilo­me­tern nicht mehr wei­ter zu kön­nen, muss bit­ter sein. Er wirk­te wie der Frei­zeit­läu­fer schlecht­hin: Um die Vier­zig, eins fünf­und­sieb­zig, Nor­mal­ge­wicht. Einen Mara­thon zu bewäl­ti­gen, hieß für ihn an die Gren­zen zu gehen. Schon lan­ge vor dem Lauf. Drei- bis vier­mal Trai­ning die Woche, min­des­tens ein hal­bes Jahr. Neben Fami­lie und Arbeit und was weiß ich noch. Dann Schmer­zen hier und da und Angst vor Schmer­zen und Angst zu Schei­tern und Zwei­fel am Sinn des Gan­zen. Allein, sich immer wie­der zu moti­vie­ren ist grenz­wer­tig. Und dann die Lauf­vor­be­rei­tung. Lan­ge Läu­fe und kur­ze. Inter­vall­trai­ning. Gewichts­kon­trol­le. Bier und Süßes in Maßen. Und die Lauf­pau­se vorm Start.

Aus! Alles aus! Nach neun­und­zwan­zig Kilometern.

 

Hin­ter den Berg­wie­sen von Neu­stadt ging es mal wie­der auf­wärts. Der Burg­berg, ca. 55 Höhen­me­ter auf einen Kilo­me­ter. Ein Wan­der­pa­ra­dies. Zwi­schen Fich­ten schlän­gelt sich der Wald­weg steil bis auf 811 Meter. Doch ich hat­te kein Auge für die Land­schaft. Mei­ne Ober­schen­kel brann­ten. Zügi­ger Schritt, mehr war nicht drin.

Nach einer kur­zen Sen­ke folg­te das wal­di­ge Hoch­moor „Morast“. Mit 838 Meter die höchs­te Erhe­bung der zwei­ten Hälf­te des Renn­steig­ma­ra­thons. Ich biss die Zäh­ne zusam­men. Mehr will ich dazu nicht sagen.

 

Ich ver­stand den Mann vorm Sani­täts­zelt. Ich ver­stand ihn nicht! Nie­mand kann ihn ver­ste­hen. Es ist sei­ne Bestim­mung. Er hat ent­schie­den. All die Gedan­ken, die mir zu ihm in den Sinn kamen, ent­spran­gen mei­ner Vor­stel­lung. Was maß­te ich mir eigent­lich an, für ihn zu den­ken bzw. zu sprechen?

Was uns anders­sei­tig nervt, ent­spricht zumeist unse­ren eige­nen Instink­ten, heißt es. Ich reg­te mich auf, dass man mei­ne Gedan­ken aus­schnüf­felt, mani­pu­liert und zumüllt. Aber unauf­ge­for­dert für ande­re zu reden, nahm ich mir her­aus. Nicht nur unauf­ge­for­dert, son­dern auch unre­flek­tiert, einem pro­fit- und fort­schritts­hö­ri­gen Leis­tungs­dik­tat entsprechend.

Über­spannt? Wohl kaum! Neun­und­zwan­zig Kilo­me­ter sind eine groß­ar­ti­ge Leis­tung. Aber ich will jetzt nicht die Umkeh­rung dekla­mie­ren. Das wäre genau­so bla­siert. Letzt­end­lich ist es nur ein Lauf. Bei allem Ärger um das Nicht­er­rei­chen des Ziels, mag es auch das Schöns­te der Welt sein, ist es doch nicht mehr als ein Schritt in unse­rem Leben. Und nicht ein­mal ein weg­wei­sen­der. Da gibt es bedeutendere.

Klar lau­fe ich gern, sonst wäre ich nicht hier, und ich möch­te, wenn mög­lich, auch lau­fend an mei­ne Gren­zen gehen, aber ver­dammt, ich will mich nicht ver­ren­nen. Idea­le ent­ste­hen nicht in unse­ren Köp­fen. Sie wer­den uns ein­ge­impft. Schnel­ler lau­fen. Wei­ter lau­fen. Gut und schön. Aber nicht zum Selbstzweck!

 

Ach?“ mel­de­te sich Ingrid in mei­nen Gedanken.

Ja! Ach?“ ant­wor­te ich.

 

Der Lauf­kult hat­te sich durch mei­ne Gehirn gefres­sen und mit ver­staub­ten väter­li­chen Erzie­hungs­hil­fen a lá „Geht nicht, gibt’s nicht!“, „Wenn du etwas ange­fan­gen hast, mach es auch zu Ende!“, „Von nichts kommt nichts!“ usw. ver­kup­pelt. Aber auch moder­ne­re Losun­gen, wie „Neid musst du dir erar­bei­ten, Mit­leid bekommst du geschenkt!“, pass­ten ihm bes­tens in den Kram.

Immer wie­der über­ka­men mich Gewis­sens­bis­se, wenn ich ein paar Tage mit Jog­gen aus­setz­te. Nach dem Ver­zehr von Bier, Scho­ko­la­de, Eis oder ähn­li­chen Freu­den­spen­dern träum­te ich von Kalo­rien­ta­bel­len. Und jedes Zwi­cken in Knien oder Fuß­ge­len­ken lös­te bei mir hypo­chon­dri­sche Phan­ta­sien aus, die durch­weg dar­in gip­fel­ten, dass es bald vor­bei sein wür­de mit der Lauf­e­rei. Der Läu­fer­hor­ror schlechthin.

So oder so, es kommt sowie­so. Glück­lich, wer noch ein ande­res Leben hat. Und da fiel mir eini­ges ein. Ich bin glücklich!

Ich möch­te mit dem Läu­fer in der grau­en Decke nicht tau­schen. Ich möch­te auch nicht mit einem der Spit­zen­läu­fer oder mit wem auch immer tau­schen. Tau­schen ist kei­ne Opti­on. Ergo, ich muss mich akzep­tie­ren mit allen Indi­vi­dua­li­tä­ten. Rat­schlag­fi­bel 0/8/15. Was soll’s! Nicht alles, was abge­dro­schen klingt, ist für die Katz. Kling, klong!

 

Für mich hieß das, es lagen noch knap­pe zehn Kilo­me­ter an, inklu­si­ve bren­nen­der Ober­schen­kel, Schwie­len und Bla­sen. Doch wenn es nicht mehr wei­ter gehen wür­de, wür­de ich „Stopp!“ sagen und aus­stei­gen. Genau Mann im grau­en Umhang, das ist selbst­be­stimmt! Chapeau!

Die Wald­bau­de am Drei­her­ren­stein hat­te ich ohne Rast hin­ter mir gelas­sen. Wie­der im Gehölz ent­schied ich mich zu gehen. Zumin­dest bei Anstiegen.

Und ich ent­schied mich zu sin­gen. Das Renn­stei­glied. Was sonst! Der Jun­ge mit der Vuvuz­ela tauch­te neben mir auf, und Ingrid, der Typ mit der grau­en Decke, jede Men­ge Wan­ders­leu­te sowie Her­bert Roth mit Klamp­fe und sei­ner Wal­traut. Als ich mich umschau­te, sah ich eine Rost­brat­wurst mit Senf­häub­chen auf einem Thü­rin­ger Kloß hin­ter uns her reiten.

Wäh­rend ich dar­auf etwas ungläu­big den Kopf schüt­tel­te, fiel mir der gel­be Chip an mei­nem Schuh auf. Was wür­de wohl der gro­ßer Bru­der jetzt von mir denken?

 

Jeder weiß, dass sie unse­re Daten sam­meln. Des­halb gibt es doch Com­pu­ter. Und jeder weiß, was sie damit machen: Sie berech­nen unse­re Ängs­te, füt­tern unse­re Kon­sum­gier, erpres­sen Poli­ti­ker in aller Welt, ver­öf­fent­li­chen Geheim­nis­se und Pein­lich­kei­ten von denen, die sich zur Wehr set­zen. Wir haben uns dar­an gewöhnt. Wer sich nichts zu Schul­den kom­men lässt, braucht nichts zu befürch­ten. He, die Hän­de blei­ben oben!

Ver­meint­lich ist das zu ein­sei­tig. Über­wa­chung und Daten­spei­che­rung die­nen dem Wohl der Mensch­heit, z. B. bei der Ver­bre­chens- und Ter­ror­be­kämp­fung und natür­lich bei der Erfor­schung einer ver­läss­li­chen Glücks­kon­stan­te für alle Men­schen, beteu­ern die Jün­ger des Total Controllings.

Ich muss­te grin­sen. Der Jun­ge mit der Vuvuz­ela hat­te mir zuge­zwin­kert: „Weißt du, wir sind unsicht­bar für sie.“ Ich nickte.

Lächer­lich. Den gel­ben Chip besaß ich mitt­ler­wei­le sechs Jah­re. Dazu kom­men Kre­dit- und Gesund­heits­kar­te, Han­dy, Note­book, Home­page, E‑Mail-Adres­sen, Steu­er­erklä­rung, Per­so­nal­ak­te, Ein­woh­ner­mel­de­amt, Volks­zäh­lung, Sta­si­ak­te, Adres­sen­händ­ler, Schufa, Ama­zon, Face­book, Goog­le, öffent­li­che und pri­va­te Über­wa­chungs­ka­me­ras und die­ser Blog und was weiß ich noch alles, doch was sie auch sam­meln und spei­chern und ana­ly­sie­ren und rekon­stru­ie­ren, es wird immer nur ein Abklatsch von mir sein. Ich bin das Original.

Klar wer­de ich mani­pu­liert. Das ist auch gut so! Lie­be wäre sonst ein durch­weg bere­chen­ba­res Phä­no­men, ergo kei­ne Lie­be. Da bin ich auch wehrlos.

Ansons­ten bin ich der König in mei­nem Kopf. Zudem beset­ze ich auch alle wich­ti­gen und weni­ger wich­ti­gen Ämter bis hin zum Chill­out-Mas­ter. Nichts mit Gewal­ten­tei­lung. Des­halb muss ich mei­nen Gedan­ken­pa­last auch sel­ber sau­ber hal­ten und ver­tei­di­gen. Aber ich strei­te nicht allein und mei­ne Ver­bün­de­ten sind nicht nur von die­ser Welt.

 

Wenn ich an die Neu­ro­tech­no­kra­ten den­ke, die uner­bitt­lich ver­su­chen das Bewusst­sein in unse­ren Gehir­nen zu orten, krie­ge ich einen Hals. Egal, was sie auch schön­re­den, Grö­ßen­wahn ist ihr Trieb­mit­tel. Wenn sie das Zen­trum unse­rer Welt­deu­tung erst mal ange­zapft haben, wer­den sie dort auch die Regie über­neh­men wol­len. Uns wird das dann wahr­schein­lich nicht mehr inter­es­sie­ren. Wir wer­den die Matrix lieben.

Aber Schluss mit dem Welt­ver­schwö­rungs­pa­la­ver. Der Über­wa­chungs­wahn ist doch der sichers­te Beweis, dass es bei der Erfor­schung des Gehirns Unwäg­bar­kei­ten gibt. Die indi­vi­du­el­len Denk­pro­zes­se sind eben weder zu loka­li­sie­ren noch sind die­se bere­chen­bar. Vor allem, wenn die Gedan­ken aus der Rei­he tanzen.

 

Ich hat­te den Hard-Rock-Hügel erklom­men, dem letz­ten merk­li­chen Anstieg vor Schmie­de­feld. Der ansons­ten volks­mu­sik­hö­ri­ge Renn­steig war­te­te an die­ser Stel­le mit har­ten Beats auf. Rock’n’Roll-Doping. Doch kurz dar­auf war wie­der Ruhe im Wald.

Ich war glück­lich. Es lief. Noch einen Anstieg muss­te ich neh­men: Die berüch­tig­te Zuga­be des Renn­steig­ma­ra­thons. Vor­her ging es jedoch hin­un­ter. Jeder Schritt eine Offen­ba­rung. Mei­ne Ober­schen­kel schmerz­ten. Für nichts auf der Welt wür­de ich die­ses Gefühl ein­tau­schen wollen.

 

Schmie­de­feld. Mei­ne heim­li­chen Beglei­ter jubel­ten, als ich die 42,195 km-Mar­ke über­schrit­ten hat­te. Bis zum Schöns­ten Ziel der Welt waren es aber noch gute 1300 Meter. Die Freun­de hat­ten sich, als ich die Bahn­hof­stra­ße ent­lang trab­te, noch ein­mal an mei­ne Sei­te gedrängt. Der Jun­ge mit der Vuvuz­ela blies zur Atta­cke, wäh­rend die Wan­ders­leu­te ein Spa­lier bil­de­ten. Der Mann mit dem grau­em Umhang drück­te mir sei­ne Hand auf die Schul­ter. „Lauf For­rest, lauf!“ wit­zel­te er mir ins Ohr. Ohne Gruß blieb er zurück.

Ingrid tauch­te in der Men­ge auf und plap­per­te auf­ge­regt in mei­ne Rich­tung. Ihre Stim­me über­schlug sich dabei. Ich ver­stand kein Wort. Indes war die Rost­brat­wurst abge­stie­gen. Der Thü­rin­ger Kloß hat­te ange­sichts des letz­ten Anstiegs schlapp gemacht.

Auf 1000 Metern waren noch ein­mal fast 100 Höhen­me­ter zu bewäl­ti­gen. Ich woll­te den Kum­pel auf dem letz­ten Stück nicht hän­gen las­sen. Des­halb roll­te ich das Thü­rin­ger Wahr­zei­chen unter größ­ter Anstren­gung die Rupp­ach­stra­ße zum Schmie­de­fel­der Sta­di­on empor. Irgend­wie hat­te ich den Ein­druck, dass nie­mand etwas davon bemerkt hat­te. Zumin­dest stau­nen hät­te doch jemand gemusst.

Nach­dem ich in die Sta­di­on­run­de gebo­gen war, lös­te sich der Kloß urplötz­lich auf. Bei­na­he wäre ich gestürzt. Auch die ande­ren waren ver­schwun­den. Her­bert Roth hat­te abschlie­ßend noch ein­mal in die Sai­ten gehau­en und mir zuge­ru­fen: „Dan­ke für den Tanz!“

 

Am 25.05.2013, um 14:54 Uhr Orts­zeit, wur­de mir auf dem Sport­platz von Schmie­de­feld der Renn­steig­or­den am weiß-roten Ban­de ver­lie­hen. Nach­dem ich dar­auf­hin das Fest­zelt betrat, hat­te ich eine Ein­ge­bung: „Die­sen Weg auf den Höhen…“

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  1. Aust´n

    Groß­ar­tig! Thü­rin­ger Kloß und alle ande­ren phan­tas­ti­schen Weg­be­glei­ter lie­gen vor­erst in mei­nem Erin­ne­rungs­fens­ter. Wie zäher, ange­brann­ter Brei in min­der­wer­tig beschich­te­ter Pfan­ne. Bevor ich acryl­amit­las­tig auf­sto­ße bin ich froh über Dei­ne Ingrids und Grau­deck­ler. Sie haben dich vor­an gebracht, ange­trie­ben. Die Strip­pe gezo­gen, die an einer zeit­los schö­nen Pan­ora­ma­ka­me­ra hängt.
    Die Gedan­ken sind frei… mani­pu­liert…! Jedoch die Gedan­ken­glie­de­rung und ‑wie­der­kehr machen sie frei­er denn je. Als Etwas von Dir.
    Somit kann das Erin­ne­rungs­fens­ter in kon­stant grö­ßer wer­den­den Pixeln schließ­lich geschlos­sen werden.
    Ich bin entzückt.

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